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Wer zerkugelt sich in Planica?

Oberösterreichische Nachrichten – 16. März 2012, Planica

Von Roland Vielhaber.


PLANICA. Diese Nachricht aus der Heimat freute in Planica die ganze österreichische Flugstaffel. ÖSV-Team-Doc Jürgen Barthofer, ein Linzer, und seine Pamela sind Eltern einer Lea geworden. Das sollte beflügeln. Vor allem dann, wenn bei Postkartenwetter und beeindruckender Zuschauer-Kulisse auf dem mächtigen Bakken in Slowenien das Saison-Finale ansteht. Ein Finale, bei dem das Kugel-Lager gefüllt ist, weil die Entscheidungen noch nicht gefallen sind. So rechnet sich Gregor Schlierenzauer nach wie vor Chancen auf den Gewinn des Gesamt-Weltcups aus. Auch die kleine Kugel für den besten Skiflieger ist ein begehrtes Objekt, das noch einen Besitzer sucht.

Gerade dieser Kampf zeigt, dass die ÖSV-Adler den internationalen Flugraum aber nicht mehr so eindeutig wie in den vergangenen Jahren beherrschen. Natürlich war die 60. Vierschanzentournee mit dem Dreifach-Triumph von Schlierenzauer, Andreas Kofler und Thomas Morgenstern aus heimischer Sicht historisch.

Die Wende

Dass mit Anders Bardal ein Norweger in das Gelbe Trikot des Weltcup-Führenden schlüpft und sich am Ende sogar zerkugeln könnte, war zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar. Doch Bardal war der beständigste Springer der Saison. Die logische Folge: Er hat vor den letzten Einzelbewerben heute (ab 15.15 Uhr, live auf ORFeins) und am Sonntag 123 Punkte Vorsprung auf Schlierenzauer. Bardals österreichischer Trainer, Alexander Stöckl, geht „relativ entspannt“ in das Wochenende: „Wir haben unsere Saisonziele schon jetzt überschritten. Es ist super zu sehen, dass meine Arbeitsweise funktioniert und wir ein sehr gutes Klima im Team haben.“

Aber auch beim Gesamt-Weltcup der Skiflieger haben die Österreicher derzeit keine Hand am Kristall. Es führt der Japaner Daiki Ito mit 210 Zählern vor Lokalmatador Robert Kranjec (195) und Bardal (182). Erst dann folgt als bester Österreicher Thomas Morgenstern mit 146 Punkten. Der Kärntner geht mit gehörigem Respekt an Planica heran: „Angst ist vielleicht übertrieben. Aber hier, auf diesem Monster zu springen, verlangt einiges an Mut.“ Morgenstern landete gestern beim „Einfliegen“ bei 202 Metern, Schlierenzauer (nur Zehnter im Skiflug-Weltcup) kam im Training auf 227 Meter. Weiter schaffte es nur der Deutsche Severin Freund (228,5). Der Tiroler setzte daraufhin die Sonnenbrille auf, fand Skifliegen lässig und machte eine Kampfansage: „Ich habe es noch nicht aufgegeben. Mit einer Topleistung, etwas Glück und wenn Bardal ein bisschen schwächelt, ist es möglich, dass er noch zu packen ist.“

Was den 21-jährigen Tiroler, der in den vergangenen Wochen alles andere als auf Wolke sieben schwebte, so optimistisch stimmt? „Planica taugt mir absolut. Ich war dort noch nie schlechter als Fünfter und hoffe, auch diesmal auf meine Kosten zu kommen.“ Das wünscht sich zu Hause in Linz auch ÖSV-Arzt Barthofer. Er wird dem „Schlieri“ fest die Daumen drücken. Wenn ihm die kleine Lea Zeit dazu lässt.

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