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Patientenpfade nach arthroskopischen Eingriffen am Kniegelenk

JATROS – 01. September 2011

Einleitung

Behandlungspfade haben in der heutigen Zeit im klinischen Alltag eine zunehmende Bedeutung. Sie dienen unter anderem dazu, die Behandlungsqualität und Patientensicherheit zu erhöhen, gleichzeitig tragen sie aber auch zu einer Ökonomisierung und Senkung der Behandlungskosten bei.

„Ein integrierter Behandlungspfad ist ein Steuerungsinstrument. Der Pfad beschreibt den optimalen Weg eines speziellen Patiententyps mit seinen entscheidenden diagnostischen und therapeutischen Leistungen und seiner zeitlichen Abfolge. Interdisziplinäre und interprofessionelle Aspekte finden ebenso Berücksichtigung wie Elemente zur Umsetzung, Steuerung und ökonomischen Bewertung.“ (Jörg Eckhart: Integrierte klinische Pfade [IKP]. 2005). Der Prozess der Entstehung der Patientenpfade im UKH Linz und auch die zugrunde liegenden Ideen sollen nachfolgend beschrieben werden.


Entwicklung

Wir haben die Patientenpfade in einem multidisziplinären Projekt unter Einbeziehung der Ärzte der „Knie-Gruppe“, der Physiotherapeuten, des Pflegepersonals auf den Abteilungen und der Verwaltungsstelle entwickelt. In einem Nominal Group Process wurden Patientenpfade für die postoperative Behandlung nach Meniskus- und Kreuzbandoperationen sowie ein generischer Pfad für alle anderen arthroskopischen Eingriffe am Kniegelenk erarbeitet. Es handelt sich dabei um verbindliche, schriftliche Behandlungsanweisungen für den postoperativen Verlauf und die Rehabilitation innerhalb des ersten Jahres.

Akzeptanz

Seit der Einführung der Patientenpfade im Jahr 2003 haben wir deren Verwendung durch die Kollegenschaft im mehrjährigen Intervall evaluiert, um uns ein genaues Bild bezüglich deren Akzeptanz zu machen. Waren es in der Einführungsphase nur knapp 50% der Patienten, die in den entsprechenden Prozess eingebunden wurden, so steigerte sich diese Rate in den darauffolgenden Jahren auf knapp 80%. In einer kürzlich durchgeführten Reevaluierung zeigte sich, dass nun, acht Jahre nach deren Einführung, 70% der entsprechenden Patienten mit den zur Verfügung stehenden Pfaden nachbehandelt werden.

Grundlagen

Will man eine Organisation verändern, muss man sich eine genaue Vorstellung von der Funktion und Form derselben machen. Nachfolgende Grundlagen sind Basis der zuvor beschriebenen Vorgehensweise:

Benchmarking
Arbeitsanleitungen, Pathways und Vorgehensweisen anderer ähnlicher Institutionen wurden von unserer Arbeitsgruppe aufgenommen, geprüft, zum Teil übernommen und in unser Konzept eingearbeitet.

Evidence-based Medicine
Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten sind zur evidenzbasierten Absicherung in unsere Patientenpfade eingeflossen. Eine entsprechend ausführliche Literaturrecherche diesbezüglich wurde durchgeführt.

Flexibilität
Die Behandlungspfade wurden so konzipiert, dass im Falle eines von der Norm abweichenden Verlaufs adäquat reagiert werden und eine individuelle Anpassung durch den Chirurgen oder den visitierenden Arzt erfolgen kann. Generelle Änderungen können jedoch nur in Abstimmung mit der Projektgruppe erfolgen.

Bottom-up-Design
Durch die multidisziplinäre Zusammenarbeit in der Entwicklung der Patientenpfade werden innerbetriebliche Lernprozesse gefördert und eine höhere Akzeptanz hinsichtlich ihrer Umsetzung erreicht. Retrospektiv wäre vermutlich auch das Einbeziehen der Erfahrungen betroffener Patienten in die Pfadentwicklung sinnvoll gewesen.

Patientensicherheit
Durch die multidisziplinäre Zusammenarbeit wird im Team eine kollektive Achtsamkeit (collective mindfulness, Karl Weick) erzeugt, die ebenso wie die Vermeidung unnötiger Behandlungsvariationen ein fehlerfreies Arbeiten ermöglicht. Ein weiteres wichtiges Organisationskriterium ist das Einführen von Kontrollen in „Setting“-Funktionen.

Zusammenfassung

Am Unfallkrankenhaus Linz werden seit 2003 Patientenpfade zur Nachbehandlung arthroskopischer Kniegelenkseingriffe angewandt und in regelmäßigen Abständen adaptiert und evaluiert.

Diese haben sich innerbetrieblich bewährt und zu einer gesteigerten Patientenzufriedenheit geführt, was sich unter anderem anhand eines signifikanten Rückgangs von Patientenbeschwerden nach derartigen operativen Eingriffen beweisen lässt (Abb.). Eine unnötige Varianz der entsprechenden Nachbehandlung wird vermieden. Fehlerquellen können damit ausgeschaltet und Ergebnisse besser miteinander verglichen werden. Bemerkenswert scheint uns, dass mit derart einfachen Maßnahmen ein Behandlungsprozess in seiner Qualität und seinem Ergebnis positiv beeinflusst werden kann.

Autoren

Dr. Jürgen Barthofer, Dr. Martin F. Fischmeister, Univ.-Doz. Dr. Albert Kröpfl
Unfallkrankenhaus der AUVA, Linz tra1103

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