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Last des Fliegens drückt aufs Gewicht

Kleine Zeitung – 22. Februar 2012

Bitte anschnallen! Am Donnerstag startet mit der Qualifikation die Skiflug-WM in Vikersund. Die Athleten sind dabei enormen Belastungen ausgesetzt. Die WM bei uns im Ticker!

Mal ganz ehrlich: Skispringen soll anstrengend sein? Den Anlauf hinunterrasen, springen und mit dem Lift wieder hinauf. Das Ganze dreimal wiederholen und das Tagespensum ist erfüllt. Hallo!? Aber falsch gedacht! "Die Belastungen sind groß - psychisch und physisch. Und beim Skifliegen natürlich noch weit größer", weiß ÖSV-Teamarzt Jürgen Barthofer.

Die Begründung liefert der gebürtige Leobener, der in Linz ordiniert, gleich frei Haus mit: "Skifliegen wird nicht trainiert. Daher ist die Überwindung, zum Teil auch die Angst und damit auch die nervliche Anspannung aufgrund der weit höheren Geschwindigkeiten und der unbekannten Windsituationen deutlich größer." Wenn wundert's, stellt doch bereits der kleinste Fehler ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Barthofer: "Ein zehn bis zwanzig Mal höherer Adrenalinspiegel sowie ein vermehrter Harndrang führen bei den Athleten beim Skifliegen zu einer Gewichtsabnahme von bis zu zwei Kilo pro Tag."
Kampf mit der Waage

Apropos Kilo - laut dem Unfallchirurgen sind neben den Krafteinwirkungen beim Training (etwa durch tiefe Kniebeugen mit Langhanteln, die nahezu mit dem doppelten Körpergewicht beladen sind) und beim Aufsprung auch die "diätischen Maßnahmen", die einen Springer seine gesamte Karriere begleiten, belastend. "Auch wenn die Entwicklung weg vom unterernährten, hin zum athletischen Springertypen durch die Einführung der mit dem BMI korrelierenden Skilänge sehr begrüßenswert ist, so kämpfen die Sportler doch das ganze Jahr mit ihrem individuellen Idealgewicht. Die tägliche Auseinandersetzung mit der Waage ist dabei für manche extrem beschwerlich", betont Barthofer.

Letztes, prominentes Opfer dieser nagenden Tatsache ist Johan Remen Evensen. Der Weltrekordhalter (246,5 m) trat wenige Tage vor dem Start der Heim-WM mit nur 26 Jahren zurück. Begründung: "Ich kann das nötige Gewicht nicht mehr halten. Mein Körper hat genug, es geht nicht mehr."

Nicht zu vergessen ist aber auch der Druck der Öffentlichkeit und der Sponsoren, dem die Spitzensportler ausgesetzt sind. Dieser, gepaart mit unbändigem Siegeswillen, warf schon viele Springer aus der Bahn...

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