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Jugendtraum wahr gemacht: Linzer Chirurg verarztet Österreichs Skiflieger

Oberösterreichische Nachrichten – 20. März 2012

Jürgen Barthofer arbeitet im Winter dort, wo Sportgeschichte geschrieben wird

Neben seiner Arbeit als Chirurg in Linz verfolgt Jürgen Barthofer eine sportärztliche Karriere: Er ist Teamarzt des ÖSV seit 2008 (Skisprung und Nordische Kombination), war bei den Olympischen Jugendspielen 2010 in Singapur und 2012 in Innsbruck dabei. „Mitten im Sportgeschehen zu sein, ist ein Jugendtraum. In Eisenerz konnte man von meinem Elternhaus direkt auf die Sprungschanze schauen, Neujahrsspringen waren Pflicht“, sagt der 37-jährige Mediziner.

Barthofer hatte bereits prominente Patienten wie Andreas Goldberger und genießt es, immer wieder neue Leute aus dem Sportzirkus kennen zu lernen. „Man erlebt da alle Emotionen hautnah mit – beim Sieg, aber auch bei der Niederlage“, so der Chirurg, der im Linzer Unfallkrankenhaus und im Diakonissenkrankenhaus als Kniespezialist arbeitet.

Alternatives für Spitzensportler

Als Sportarzt hat er viel mit alternativen Methoden zu tun: „Einige Medikamente – zum Beispiel gegen Grippe oder Asthma – sind im Spitzensport verboten. Da gewinnen Themen wie Homöopathie oder Ernährung an Bedeutung.“ Auch – legale – Eigenbluttherapien, bei denen Wachstumsfaktoren konzentriert und wieder in den Körper zurückgespritzt werden, wendet der Mediziner an.

Den wichtigsten Platz nimmt in Barthofers Leben aber weder die Sportmedizin noch die Chirurgie ein: „Ich habe vor kurzem eine Tochter bekommen. Das ist unvergleichlich schön.“

Neue Operationstechnik

Kreuzbandplastik: Kleinere Narben, weniger Schmerzen und rascher wieder fit sein: Das soll die neue Operationstechnik „All Inside“ möglich machen, die Kniespezialist Jürgen Barthofer seit Sommer im Linzer Unfallkrankenhaus und im Diakonissenkrankenhaus Linz anwendet. Bisher hat Barthofer mit dieser Methode vierzig Patienten operiert.

Die Sehne wird aus der Kniekehle entnommen. Zur Befestigung des Bandes müssen nur noch Löcher mit drei und nicht wie bisher mit zirka elf Millimetern Durchmesser gebohrt werden. Dadurch hat der Patient weniger Schmerzen.

Auch der Winkel, in dem das Band an Schienbein und Oberschenkel befestigt ist, wurde optimiert. „Das Band wird so platziert, wie es von der Natur vorgegeben ist. Das bringt bessere Rotationsstabilität. Wir hoffen, dass das Band dadurch auch nicht so leicht ein zweites Mal reißt“, sagt Barthofer.
Während bei anderen Methoden das Band oft mit Schrauben fixiert wird, funktioniert die Befestigung bei der neuen Technik nur noch mit Titanplättchen. Das ermöglicht ein besseres Spannen der Sehne während der Operation.

Neben den medizinischen Vorteilen punktet die neue Technik nach Lubowitz auch mit besseren kosmetischen Ergebnissen. „Die Narben sind kleiner oder in der Kniekehle versteckt. Das spielt vor allem für jüngere Frauen eine Rolle“, so der Chirurg.

Autorin: Dietlind Hebestreit

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