Zum Inhalt

Zur Navigation

Die Therapie mit ACP im Spannungsfeld von Schmerz, Hoffnung und Evidenz

Manuelle Medizin 1 · 2014 – 13. März 2014, Heidelberg

Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten auf dem Kongress „OP or not OP – Erkrankungen des Bewegungsapparates in der Praxis“ 2013 in Pörtschach

Der Einsatz von Stammzellen und Wachstumsfaktoren ist momentan ein weltweit viel beforschtes Thema, unter anderem auch hinsichtlich der Regeneration von Knorpelgewebe (1). So wird eine spezielle Form eines plättchenreichen Plasmas (PRPs), das autolog konditionierte Plasma (ACP), unter anderem in der Therapie von Tendinopathien (z.B. Epicondylitis, Achillodynie) eingesetzt. Ebenso findet es Einsatz bei Umstellungsosteotomien, Mikrofrakturierungen, in der Arthrosebehandlung und intraoperativ bzw. postoperativ bei Meniscusnähten.

Der Wunsch der Patienten nach Linderung der Beschwerden einerseits und die zum Teil sehr unterschiedlichen Studienergebnisse zu ACP andererseits stellen den behandelndne Arzt vor eine große Herausforderung.

Anhand der aktuellen Studienlage hängen die unterschiedlichen Ergebnisse insbesondere mit verschiedenen Herstellungsprotokollen und unterschiedlicher Zusammensetzung der verwendeten PRPs zusammen. Diese unterscheiden sich wesentlich in der Zahl der Thrombozyten und Wachstumsfaktor-Konzentration, als auch in der Erythrozyten- und Leukozyten-Konzentration (2) (Tab. 1).

 

 

Die Anzahl von Leukozyten kann die Wirkung auf den Organismus beeinf lussen und folglich auch zu unterschiedlichen Studienergebnissen führen, da die in Leukozyten enthaltenen Cytokine und Metalloproteinasen potentiell die Wirkung auf die Zellproliferation vermindern (3). Nach dem heutigen Stand des Wissens erscheint eine 2–3 fach erhöhte Thrombozyten-Konzentration als ideal (4).

Zur Gewinnung von ACP aus Blut kann beispielsweise das ACP-Double Syringe System genutzt werden. Bei diesem System wird das Plasma aus dem Vollblut in einem Zentrifugationsvorgang extrahiert, was im Vergleich zu anderen Systemen den Arbeitsablauf vereinfacht (Abb. 1).


Abb. 1: Herstellung von ACP mit dem Double Syringe System (Mit freundl. Genehmigung von Arthrex Inc., Naples USA)

 

Mögliche Anwendungsgebiete von ACP sind die Achillodynie und Arthrose. Bei der Behandlung von Achillodynie wurden Studien mit kontroversen Ergebnissen veröffentlicht. Eine Studie kommt zum Ergebnis, dass eine einmalige Behandlung mit ACP zu einer Verbesserung nach 18 Monaten im Vis-A Score und Ultraschall führt (5). Eine andere Studie hingegen zeigte keinen signifikanten Unterschied im 1-Jahres Ergebnis bei der Behandlung der Achillodynie mit einer einmaligen PRP-Injektion im Vergleich zu Kochsalzlösung (6). Hinsichtlich der Anwendung bei Arthrose zeigte eine rezente Studie eine signifikante Verbesserung der Beschwerden im WOMAC Score nach 6 Monaten im Vergleich zur Behandlung mit Hyaluronsäure (7).

Etwa 50 Fälle konnte ich selber mit ACP behandeln. Dabei wurde die Therapie mit ACP ausschließlich bei einer selektiv engen Indikationsstellung eingesetzt, d.h. nicht als erste Therapiemaßnahme, nicht bei hochgradiger Arthrose, nicht ohne eine begleitende Physiotherapie und nur nach vorangegangener bildgebender Diagnostik. Ich konnte gute Erfolge erzielen, wenn ein relativ rezentes Geschehen ohne große strukturelle Alteration vorlag, z.B. Achillodynie, Epicondylitis, Fasciitis plantaris, Arthrose-Outerbridge Klassifikation I–III, währenddessen bei ausgeprägten Tendinopathien z.B. der Achillessehne, als auch bei hochgradigen Arthrosen, die klinische Verbesserung entsprechend der VIS-A Skala nicht überzeugte.

Fazit

ACP stellt ein alternatives Therapieverfahren zur Behandlung von Sehnenansatzbeschwerden und Arthrose dar. Aufgrund der bisher mangelhaften Evidenzlage von klinischen Studien gibt es allerdings noch viele offene Fragen zu klären, insbesondere zur optimalen Zusammensetzung von ACP als auch zum idealen Anwendungsprotokoll.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenskonflikt: J.Barthoferweistauffolgende beziehung hin: Beratertätigkeit für Arthrex, Inc.

Literatur

(1) Gelatin-based resorbable sponge as a carrier matrix for human mesenchymal stem cells in cartilage regeneration therapy. – M. S. Ponticiello et al, Journal of Biomedical Materials Research
(2) Platelet-Rich Plasma Differs According to Preparation Method and Human Variability - A. D. Mazzocca, JBJS 2012
(3) Neutrophil Infiltration in exercise-injured skeletal muscle: how do we resolve the controversy?- Schneider BS et al, Sports Med 2007
(4) Comparison of surgically repaired Achilles tendon tears using platelet-rich fibrin matrices - Sanchez, Anitua et al, Am J Sports Med 2007
(5) Treatment of Achilles Tendinopathy with Platelet-Rich Plasma - Gaweda et al, Int J Sports Med 2010
(6) One-year Followup of Platelet-rich Plasma Treatment in Chronic Achilles Tendinopathy: A Double-Blind Randomized Placebo-Controlled Trial - De Jong et al, AJSM 2010
(7) Comparision Between Hyaluronic Acidand Platelet-rich Plasma, Intraarticular-Infiltration in the Treatment of Gonarthrosis – Cerza et al, AJSM 2010

 

Autor

Dr. Jürgen Barthofer
Arzt für Sportmedizin und Sporttraumatologie
Facharzt für Unfallchirurgie
Teamarzt des ÖSV
Belegarzt im Diakonissen-Krankenhaus Linz
Facharzt im Unfallkrankenhaus Linz
E-Mail: ordination@barthofer.at


Bildergalerie