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Ärzteportrait Dr. Barthofer

OÖ Ärzte – 01. April 2014

Für Dr. Jürgen Barthofer müsste der Tag 48 Stunden haben. Denn sein Terminkalender ist mehr als voll. Als Koryphäe im Bereich der Unfallchirurgie mit Schwerpunkt Knie hält er neben der Routinearbeit im UKH Linz, der Arbeit in seiner Ordination und den zusätzlichen Operationen in der Diakonie zahlreiche Vorträge und ist Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Und trotzdem nimmt er sich für eines immer gerne Zeit: er sorgt als ÖSV-Teamarzt für das medizinische Wohl der österreichischen Skispringer und nordischen Kombinierer.

Seine Leidenschaft für den Sport hat private Wurzeln. Schon früh begeisterte sich der gebürtige Steirer für Tennis. 2000 zog er nach Linz, um seinen Turnus zu absolvieren. Seit 2003 ist er im UKH Linz tätig. Seinen Beruf mit der Begeisterung für Sport zu vereinen, war für ihn immer schon ein Traum. „Ich wollte von Anfang an mit Sportlern arbeiten“ so der 39-jährige Unfallchirurg. „Trauma, Knie und Sport waren drei Bereiche, die mich immer schon interessiert haben und so ist die Arbeit beim ÖSV einfach ein perfekter Mix und eine tolle Abwechslung!“

Immer mit dabei

Begonnen hat seine Arbeit als ÖSV-Arzt im Jahre 2008. „Ein Freund von mir, Dr. Stephan Hainzl, war schon länger dabei und nachdem wir gemeinsam die Sportmediziner-Ausbildung absolviert hatten, und er über meine Sportbegeisterung Bescheid wusste, hat er mich ins ÖSV-Team geholt.“
Erlebt hat Dr. Barthofer in den letzten 6 Jahren schon einiges. Von Jugendolympiaden über die nordischen Weltmeisterschaften bis hin zu zwei Olympia-Veranstaltungen in Vancouver und Sotchi war alles schon dabei. Wie sich das bei seinem vollen Terminkalender überhaupt ausgeht? „Ich begleite die Sportler immer nur in ihrer Saison und nehme mir dafür fast meinen kompletten Urlaub bzw. auch die Überstunden, die sich bis dahin angesammelt haben. 7 Tage werde ich von der AUVA auch noch freigestellt. ÖSV-Teamarzt zu sein ist für mich einfach ein Hobby, das mir irrsinnig viel Spaß macht“, erklärt der charmante Arzt.

Bewegende Momente in Sotchi

Genug zu erzählen hat er auch. Bei seinen Erzählungen über die Tage in Sotchi leuchten seine Augen. „Ich bin das erste Mal mit dem gesamten Team bei der Eröffnung ins Stadion eingezogen und das war absolut überwältigend. Wenn 40.000 Gesichter auf dich gerichtet sind, die Musik aus den Lautsprechern schallt und alle applaudieren sind das Momente, die ich sicher nie vergessen werde.“ Im Gegensatz zu vielen Medienberichten sind Dr. Barthofers Ausführungen über die Olympischen Spiele in Russland äußerst positiv. „Unser Team war mit allem sehr zufrieden. Die Sportstätten waren extrem gut ausgebaut, die Abläufe perfekt organisiert und die Menschen unheimlich freundlich. Auch wenn es ab und zu sprachliche Barrieren gab, so war jeder bemüht, uns den Aufenthalt so schön wie möglich zu machen.“ Auch die Stimmung bei den Wettkämpfen empfand der Teamarzt als beeindruckend. Aus medizinischer Sicht gab es für Dr. Barthofer während der Spiele nicht allzu viel zu tun. „Meist ging es um virale Infekte, um die wir uns kümmern mussten. Gott sei Dank gab es keine Verletzungen, das ist natürlich immer eine besondere Herausforderung.“ So blieb ihm Zeit, auch die anderen Wettkämpfe ein wenig genießen zu können.

Sein schönstes Erlebnis neben der fulminanten Eröffnung? „Der zweite Platz im Team mit Thomas Morgenstern hat mich extrem berührt. Ich war ja bei seinem Sturz dabei und habe ihn erstversorgt bzw.war ich auch in seine weitere Betreuung bis hin zur heiklen Thematik der Startfreigabe involviert. Dass er bei Olympia antreten konnte und dann auch noch eine Silberne Medaille mit nach Hause nimmt, ist einfach eine unglaubliche Leistung!“ Die Tatsache, dass Dr. Barthofer auch maßgeblich mit an Morgensterns Genesung beteiligt war, lässt er aber gerne außen vor.

Was der Unfallchirurg vom Doping-Vorfall hält? „Ich finde solche Dinge einfach unheimlich traurig und verantwortungslos, denn solche Ereignisse schaden dem österreichischen Sport, vor allem dem Langlaufsport immens. Es gibt so viele engagierte junge Langläufer und Langläuferinnen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und über denen jetzt so eine schwarze Wolke hängt. Das ist einfach nicht fair!“

Ausgefüllte Arbeitstage

Zurück im Alltag bleibt dem Mediziner kaum Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen. Zu Vieles steht am Programm: die alltäglichen Arbeiten und Operationen im UKH, die Vorträge, die Weiterentwicklung auf seinem Fachgebiet und nebenbei auch noch seine eigene Ordination.

„Mir macht die Arbeit Gott sei Dank sehr viel Spaß, denn sie eröffnet mir so viele Felder, in denen ich mich weiterentwickeln kann“, erzählt Dr. Barthofer über seinen Beruf, der auch ein großes Maß an Time-Management braucht. Für nächstes Jahr ist eine Live-Operation am hinteren Kreuzband geplant. Eine Aussicht, die den Mediziner besonders freut. „Letztes Jahr haben wir bereits in Belgrad und Linz das vordere Kreuzband live operiert, das war schon extrem spannend. Eine OP am hinteren Kreuzband ist nochmals mehr etwas Besonderes, denn sie ist um einiges komplizierter als am vorderen Kreuzband.“ Und noch eine Innovation liegt dem Arzt besonders am Herzen. „Wir haben angefangen, unsere OPs durch Fotostrecken zu dokumentieren. So können wir vor jeder Operation unseren Patienten und Kollegen, die zu uns zur Hospitation kommen die Durchführung Schritt für Schritt erklären und auch fotografisch präsentieren.“

Und wenn der 13-Stundentag des Unfallchirurgen erledigt und die Saison als ÖSV-Teamarzt vorbei ist, widmet sich Dr. Barthofer die restliche Zeit seiner Familie, im Besonderen seiner zweijährigen Tochter. „Sie ist unser Sonnenschein! Aber sie hält mich auch ordentlich auf Trab. Langweilig wird mir daheim auch nicht“, erzählt der Mediziner mit einem Augenzwinkern.

Ob er sich vorstellen könnte, nur für den ÖSV zu arbeiten, verneint Dr. Barthofer. „Ich brauche die Abwechslung und die Arbeit beim ÖSV ist wirklich toll, aber in chirurgischer Sicht keine Herausforderung.“


Mag. Gabriele Dietrich