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Die Versorgung von Femurfrakturen bei Kindern und Jugendlichen mit dem TEN-Nagel-System

JATROS – 01. September 2009

Die Versorgung von Femurfrakturen bei Kindern und Jugendlichen mit elastischen Rundnägeln aus Titan ist eine bewährte operative Behandlungsmethode. Ziel dieser Arbeit war, eigene Ergebnisse zu evaluieren und zu präsentieren.

Krankengeschichten und Röntgenbilder unserer Patienten wurden einer kritischen Analyse unterzogen. Des Weiteren wurden im Rahmen einer retrospektiven Nachuntersuchung bei jedem Patienten ein Ganzbeinröntgen sowie ein Oberschenkelröntgen seitlich im Seitenvergleich zur Beurteilung von Beinlänge und Achse angefertigt. Die Antetorsionsbestimmung der Femora erfolgte mittels MRI.Zur Objektivierung des klinischen Ergebnisses zogen wir den TEN Outcome Score, den Pain and Comfort Score, den Sports and Physical Function Score sowie den Transfer and Basic Mobility Score heran. Die Studie wurde von der Ethikkommission der AUVA genehmigt.

Ergebnisse

Von 2001 bis 2008 wurden am UKH Linz 15 Patienten mit TEN-Nägeln versorgt. Das Durchschnittsalter betrug 12 Jahre, der jüngste Patient war 6, der älteste 20 Jahre alt. 12 Patienten hatten ein Monotrauma mit einem ISS von 9, drei wiesen zusätzliche Verletzungen auf (ISS 14, 22, 44).14 Frakturen waren offen und eine geschlossen. An Nagelstärken wurden 8-Mal 2,5mm, 7-Mal 3mm, 10-Mal 3,5mm und 5-Mal 4mm starke Nägel verwendet. Alle Patienten erhielten 2 Nägel, eingebracht jeweils von medial und lateral am distalen Femurende. Die OP-Zeiten lagen im Mittel bei 56 Minuten (min. 22, max. 155). Der stationäre Aufenthalt dauerte im Durchschnitt 12,6 Tage (2–9). Danach folgte eine ambulante Betreuung von durchschnittlich 107 Tagen (39–181). 3 Patienten wurden außer Haus nachbehandelt. Signifikante postoperative Achsenfehlstellungen konnten bei unserem Patientenkollektiv nur einmal diagnostiziert werden.

Eine sekundäre Verplattung führte aber auch bei diesem Patienten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Auffällig war, dass aufgetretene Achsenfehlstellungen (≤5 Grad) bei eher geringem Nageldurchmesser zu finden waren. Bei fast allen Patienten kam es zu einer Beinverlängerung zwischen 3 und 14mm, die zum Teil auch eine Einlagenversorgung durch den Orthopäden notwendig machte. Beinverkürzungen wurden nur im Rahmen von Begleitverletzungen der ipsi- oder kontralateralen Seite beobachtet.

Überraschenderweise zeigte auch der Patient, der wegen einer postoperativ zunehmenden Varusfehlstellung im Rahmen eines Verfahrenswechsels verplattet wurde, eine Beinverkürzung. Aufgrund der Datenlage und der beschriebenen wachstumsstimulierenden Wirkung rezidivierender Manipulationen auf die Epiphyse hätten wir hier mit einer Beinverlängerung gerechnet. Weiters wurde bei unseren Patienten eine Außenrotationsfehlstellung von durchschnittlich 12 Graden (Maximum 36 Grad) gemessen. Eine Analyse der gesunden Hüften zeigte eine altersabhängige Derotation mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,768733 und einem r[2] von 59,0951%.

Insgesamt kam es in allen Fällen zu einer knöchernen Heilung. Die aufgetretenen Komplikationen (Severity Scale 2 nach dem National Surgical Complications Registry in the Netherlands) konnten gut beherrscht werden und führten zu keiner negativen Beeinflussung des mittelfristigen Behandlungsergebnisses.

Alle Patienten mit einer Monoverletzung zeigten sich mit dem Behandlungsergebnis sehr zufrieden und konnten ihrem Beruf bzw. ihren Freizeitaktivitäten ungehindert nachgehen.

Diskussion

Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen der TEN-Nagelosteosynthese. Wir möchten allerdings darauf hinweisen, dass es wichtig ist, ausreichende Nagelstärken zu verwenden. Das Problem der Rotationsfehlstellungen konnte noch nicht zufriedenstellend gelöst werden. Eine Analyse unserer Daten der gesunden Seite zeigte eine auch in der Literatur beschriebene altersabhängige Derotation des Femurs. Wichtig erscheint uns, schon bei der Einstellung des Femurs intraoperativ besonders auf die Rotation zu achten.
Unsere Ergebnisse decken sich mit den Nachuntersuchungsergebnissen anderer Autoren.Wir haben noch keine Endkappen für die TEN-Nägel verwendet, denken jedoch, dass diese eine wertvolle Verbesserung sein könnten. Wir werden in Zukunft der Rotation vermehrte Aufmerksamkeit widmen und halten das TEN-System für geeignet und bewährt in der Versorgung der Oberschenkelfrakturen von Kindern und Jugendlichen.

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