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Sensation ohne Überraschung –
Schild feiert Comeback

Oberösterreichische Nachrichten – 14. Februar 2013

Nur 58 Tage nach ihrem im Training zum Slalom von Aare erlittenen Seitenbandriss fährt Schild am Samstag den WM-Slalom.

Es war nach den Meldungen der vergangenen Tage keine Überraschung mehr – eine Sensation ist es aber allemal. Marlies Schild wird am Samstag bei der Weltmeisterschaft versuchen, ihren 2011 in Garmisch-Partenkirchen errungenen WM-Titel im Slalom zu verteidigen. Das Ganze nur 58 Tage nachdem sie sich beim Training zum Slalom in Aare am 20. Dezember einen Riss des Innenbandes im rechten Knie zugezogen hat. Diese Entscheidung gab sie gestern im Rahmen einer Pressekonferenz auf ihrem Heimhang in Dienten am Hochkönig bekannt. Dort konnten sich die Anwesenden bei einigen Testläufen von einem überzeugen: Das lädierte Knie hält und Schild wird wieder auf Edelmetall losgehen.

Die 31-Jährige lächelte, als sie ihre Entscheidung gestern Vormittag bekannt gab. Sie war bemüht, die Erwartungshaltung für das Rennen auf der schwierigen Piste in Schladming, auf der sie seit dem Weltcupfinale der vergangenen Saison nicht mehr gefahren ist, herunterzuspielen. „Es ist ein Geschenk, dass ich dabei sein kann. Ich bin noch nie zu einer WM mit so wenig Druck gefahren“, sagte Schild, die in Schladming bereits in ihre fünfte Weltmeisterschaft gehen wird.

Den ersten Wettlauf hat sie gemeinsam mit ihrem Team bereits gewonnen – jenen gegen die Zeit. Vor zwei Wochen wagte sie nach ihrer Operation wieder die ersten Schwünge im Schnee. „Da hat es sich schon noch komisch angefühlt. In den letzten zwei Wochen hat es sich aber immer mehr herauskristallisiert, dass es klappen kann“, sagte Schild, die bei ihrem Comeback auf eine ganze Armee von Helfern zurückgreifen konnte: Physiotherapeutin Nikola Bleier, Mentaltrainer Thomas Wörz, die Konditionstrainer Gerhard Außerlechner und Reinhard Ronacher und ihre Skitrainer Stefan Bürgler und Thomas Rimmel halfen ihr, fit zu werden. „Dass ich eine Kämpfernatur bin, ist bekannt. Jetzt habe ich keine Schmerzen und das Gefühl, dass ich voll attackieren kann.“

Auch wenn sie bemüht war, sämtliche Erwartungshaltungen von sich zu weisen, ganz scheint auch sie eine mögliche Medaille nicht ausschließen zu wollen: „Es ist ein Versuch und es wird nicht einfach. Ich will in erster Linie Spaß haben. Ich freue mich auf die Gelegenheit, meinen Titel verteidigen zu können.“

Im Regelfall zwölf Wochen Pause

Jürgen Barthofer (38) ist Kniegelenkschirurg am Linzer UKH und begleitet als ÖSV-Arzt Österreichs Skispringer. Wie es Marlies Schild zwei Monate nach ihrem Innenbandriss schaffte, auf die WM-Piste zurückzukehren, erklärt Barthofer im OÖN-Gespräch.

Eine Innenband-Verletzung: „Ist schmerzhaft und führt zur Instabilität des Kniegelenkes.“
Die Behandlung: „Egal, ob operiert wurde oder konservativ behandelt wird, das Knie muss sechs Wochen lang ruhiggestellt werden.“

Der entscheidende Punkt: „Durch diese Ruhigstellung (Schiene) nimmt die Muskulatur ab. Die Frage ist nun: Wie schnell schafft es der Patient, Muskulatur und Koordination wiederzuerlangen. Der Vorteil des besser trainierten Spitzensportlers: Er kann die Reha wesentlich intensiver vorantreiben. Ein ,normaler‘ Patient kommt zwei Mal in der Woche zur Physiotherapie. Im Regelfall muss er zwölf Wochen ,pausieren‘.“

Folgen: „Nichts wird so gut, wie es die Natur gemacht hat. Aber der Halt ist im Normalfall wieder gut, es gibt keine wesentlichen Einschränkungen.“

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