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Schonende Kreuzband OP

Volksblatt – 20. April 2013

Ärzte des Linzer UKH als Lehrmeister für die neue "All-Inside-Methode"

Von Michaela Ecklbauer

Schneller als man es sich versieht, ist beim Fußballspielen oder Skifahren aber auch bei unglücklichen Stürzen das vordere Kreuzband ab. In einigen Fällen reicht ein Muskelaufbau, vielfach muss aber operiert werden.

Im Linzer Unfallkrankenhaus (UKH) werden pro Jahr rund 220 Eingriffe vorgenommen, bei denen das gerissene Kreuzband durch eine körpereigene Sehne - z. B. Semitendinosus, Patella- oder Quadricepssehne - ersetzt wird. Seit Oktober 2011 verwendet Kniespezialist Jürgen Barthofer eine besonders schonende OP-Methode, die so genannte All-Inside-Technik, die er in Florida (USA) erlernt hat. Etwa ein Drittel der Patienten kann auf diese Weise operiert werden, 110 Ärzte aus ganz Österreich konnten gestern im UKH bei einer, live in den Hörsaal übertragenen Kreuzband-Operation den Kniespezialisten Barthofer und Andreas Schneiderbauer quasi über die Schulter sehen. Sechsmal im Jahr dürfen einige Ärzte zu Schulungszwecken direkt beim Eingriff im Operationssaal dabei sein. „Bei der All-Inside-Technik muss der Knochen nicht zur Gänze durchbohrt werden, anstelle von Schrauben können kleine Titan-Blättchen zur Verankerung verwendet werden", erläutert Barthofer, gegenüber dem VOLKSBLATT die Vorzüge: „Über einen etwa 1,5 cm langen Hautschnitt im Bereich der Kniekehle wird die Sehne, die am inneren Oberschenkel verläuft (Semitendinosus-Sehne) entnommen.

Sie muss zwischen 24 und 28 cm lang sein, um sie viermal zusammenzulegen und daraus ein sechs bis sieben Zentimeter langes Transplantat machen zu können. Die Kanäle (so genannte Sack-Löcher), in die die Sehne später einwachsen wird, werden vom Inneren des Kniegelenks durch spezielle Instrumente nach außen gebohrt. Durch den weitgehenden Erhalt der äußeren Knochenschale ist der Eingriff schonender, da weniger Knochensubstanz verloren geht, auch das Gewebe wird besser geschont, wodurch der Patient gleich nach der Operation weniger Schmerzen hat. Ist die Sehne ausreichend lang, wird sie an Oberschenkel und Schienbein mit kleinen Titan-Blättchen verankert, die außen am Knochen anliegen und somit ein Ausreißen des neuen Bandes verhindern. Sollte durch eine spätere Verletzung eine neuerliche Operation notwendig werden, sind diese Blättchen leichter zu entfernen. Wenn die Sehnenlänge nicht ausreicht, muss sie durch eine Schraube, die sich meist nicht restlos auflöst, verankert werden. „Die neue Methode erlaubt eine der Anatomie möglichst nahe Platzierung der Verankerung", betont Schneiderbauer. Zudem kann die Sehne während des etwa 45 Minuten dauernden Eingriffs - wenn nötig - nachgespannt werden.

Weil die Operation minimalinvasiv vorgenommen wird, sind an der Vorderseite des Knies nur vier knapp acht mm große Schnitte nötig. Der Heilungsprozess verläuft wie bei anderen Methoden über einen längeren Zeitraum. Nach sechs Monaten kann mit einem isokinetischen Test festgestellt werden, wie es um den Muskelaufbau bestellt ist und welche Sportarten wieder in Angriff genommen werden können. Die Mediziner raten jedoch mit kniebelastenden Sportarten ein dreiviertel Jahr zuzuwarten.

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