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Mit Eigenblut gegen Sehnenprobleme

Oberösterreichische Nachrichten – 17. August 2011, Linz

Schmerz lass nach: Chronische Überlastung wie bei Tennis- oder Golferellbogen, aber auch Kniescheibenbeschwerden, Achillessehnenreizung und Arthrosen plagen Betroffene oft lange. Ein relativ neues und in Oberösterreich wenig verbreitetes Verfahren mit speziellen Eigenblutinjektionen verspricht gute Erfolge.

Meine Erfahrung mit der ACP-Behandlung, Injektionen mit autologem konditioniertem Plasma, sind vor allem bei chronischen Reizzuständen von Sehnen, bei Fersensporn und leichten bis mittleren Arthrosen sehr gut. Ich arbeite seit rund zwei Jahren mit dem Eigenblutverfahren. Seit heuer ist ACP auch für Sportler erlaubt, früher stand es auf der Dopingliste“, sagt Jürgen Barthofer, Sportmediziner und Teamarzt des ÖSV für Skispringer und Kombinierer.

In seiner Wahlarztpraxis in Ottensheim wendet er ACP genauso wie Stoßwellentherapie an, wenn konventionelle Behandlung und Physiotherapie etwa bei Sehnenscheidenentzündungen nicht greifen. „Oft kann damit eine Operation hintangehalten werden“, sagt der Unfallchirurg am UKH Linz. Sein prominentester Gast im Vorjahr war Andreas Goldberger, der mit Stoßwellentherapie einen Reizzustand am Knie losgeworden ist.

Noch weniger bekannt als die Stoßwellentherapie und neuartiger sind die Injektionen mit körpereigenen Wachstumsfaktoren (siehe Infokasten unten). „Die ACP-Behandlung ist etwas teurer als die Stoßwellen. Beides muss vom Patienten selbst bezahlt werden. Nötig sind bei ACP meist drei Injektionen zu je 150 Euro“, sagt der Experte für Knieverletzungen. Das Serum wird direkt an die Sehne, bei einer Arthrose ins Gelenk oder bei einem frischen Muskelfaserriss binnen 24 Stunden in den Bluterguss gespritzt. Während beim Muskel nur akute Verletzungen behandelt werden, sind bei den Sehnen chronische Prozesse indiziert. Barthofer behandelt nicht nur Sportler, sondern zum Beispiel auch Häuslbauer mit Überlastungsschmerzen.

In den ersten zwei Tagen nach der Injektion kann es zu einer Verschlechterung kommen, nach sechs bis acht Wochen ist der ganze Heileffekt vorhanden. „ACP ist zum Beispiel eine gute Alternative zu Cortisoninjektionen. Der Heileffekt ist anhaltend, vorausgesetzt, die Wurzel der Überlastung der Sehne - wie zum Beispiel eine schlechte Technik beim Tennis oder untrainierte Muskulatur - wird ebenfalls behoben“, sagt der Teamarzt des Österreichischen Skiverbandes.

 

ACP-Injektion mit Körpereigenen regenerativen Wachstumsfaktoren

Injektionen mit ACP (autologes konditioniertes Plasma) sind regenerativ und arthrosehemmend.

  • Prinzip: 10 bis 15 ml Eigenblut werden aus der Armvene entnommen und zentrifugiert. Das Blut wird in rote und weiße Blutzellen sowie Blutplättchen und -plasma getrennt. Das Serum mit Blutplättchen und Plasma wird an die Sehnen oder ins Gelenk gespritzt. Die Blutplättchen enthalten Eiweiße und Wachstumsfaktoren. Durch das Zentrifugieren ist die Konzentration der Wachstumsfaktoren zehn Mal höher als im normalen Blut.
  • Aufgaben der Wachstumsfaktoren (Blutplättchen):
  • Verbesserung der Durchblutung, Gefäßneubildung, Gefäßerweiterung, Verbesserung der Sehnensubstanz
  • Beschleunigte Wundheilung

Das Serum wird im Abstand von einer Woche drei Mal gespritzt und verbessert die Aufbauprozesse im geschädigten Gelenksknorpel bei Arthrose. „Auch Sehnen, die grundsätzlich schlecht durchblutet sind, erfahren eine bessere Durchblutung und dadurch schnellere Heilung, genauso wie frische Muskelrisse“, sagt Unfallchirurg Jürgen Barthofer, der meint: „ACP nutzen meines Wissens nur eine Handvoll niedergelassener Ärzte in Oberösterreich. In Spitälern wird es nicht angewendet.“

Dieser Beitrag wurde in Presse am Montag, 22. Mai 2017 gepostet.

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