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Die Therapie mit
autolog konditioniertem Plasma

JATROS – 01. Juni 2014

Autolog konditioniertes Plasma (ACP), eine spezielle Form von thrombozytenreichem Plasma (auch: plättchenreiches Plasma, PRP), wird unter anderem in der Therapie von Tendinopathien, intraoperativ bzw. postoperativ bei Meniskusnähten, Umstellungsosteotomien und Mikrofrakturierungen wie auch in der Arthrosebehandlung zunehmend eingesetzt.

Hinsichtlich der optimalen Zusammensetzung wie auch des idealen Anwendungsprotokolls und der geeignetsten Indikationen von ACP gibt es noch viele offene Fragen zu klären, und weitere klinische Studien zur Verbesserung der Evidenzlage sind notwendig.

ACP zur Regeneration von Knorpelgewebe

Der Einsatz von Stammzellen und Wachstumsfaktoren ist derzeit weltweit ein viel beforschtes Thema, u.a. auch hinsichtlich der Regeneration von Knorpelgewebe.1 ACP ist eine Form von thrombozytenreichem Plasma und wird u.a. in der Therapie von Tendinopathien (z.B. Epicondylitis, Achillodynie), intraoperativ bzw. postoperativ bei Meniskusnähten, Umstellungsosteotomien und Mikrofrakturierungen wie auch in der Arthrosebehandlung zunehmend eingesetzt.

Der Wunsch nach Linderung der Beschwerden seitens der Patienten einerseits und zum Teil sehr unterschiedliche Studienergebnisse andererseits stellen eine Herausforderung für Patient und Arzt dar. Problematisch hinsichtlich der aktuellen Studienlage sind insbesondere die unterschiedlichen Herstellungsprotokolle und Zusammensetzungen der verwendeten PRPs, die sich sowohl in Thrombozytenzahl und Wachstumsfaktorkonzentration als auch in Erythrozytenund Leukozytenkonzentration wesentlich unterscheiden (Tab. 1).2 Die in Leukozyten enthaltenen Zytokine und Metalloproteinasen vermindern potenziell die Wirkung auf die Zellproliferation.3 Eine 2bis 3-fach erhöhte Thrombozytenkonzentration scheint nach dem jetzigen Stand des Wissens ideal für eine Behandlung.4 Mit dem ACP Double Syringe System wird das Plasma aus dem Vollblut in nur einem Zentrifugationsvorgang extrahiert, was den Arbeitsablauf wesentlich vereinfacht (Abb. 1).



Evidenzlage: Einsatzgebiete und Wirksamkeit

Eines der Einsatzgebiete ist die Achillodynie. Hier zeigte eine Studie eine Verbesserung nach 18 Monaten in VisA-Score und Ultraschall nach einmaliger Anwendung.5 Eine andere Studie hingegen zeigte keinen signifikanten Unterschied im 1-Jahres-Ergebnis bei Behandlung der Achillodynie mit einer einmaligen PRP-Injektion im Vergleich zum Einsatz von Kochsalzlösung.6 Hinsichtlich der Anwendung bei Arthrose zeigte eine rezente Studie eine signifikante Verbesserung der Beschwerden im WOMAC-Score nach 6 Monaten im Vergleich zum Einsatz von Hyaluronsäure.7

Meine eigenen Erfahrungen entstammen einer selektiv engen Indikationsstellung von zirka 100 Fällen. überall dort, wo ein relativ rezentes Geschehen ohne große strukturelle Alteration vorlag (Achillodynie, Epicondylitis, Fasciitis plantaris, Arthrose [Outerbridge-Klassifikation I–III]), konnte ich gute Erfolge erzielen, während sowohl bei ausgeprägten Tendinopathien, z.B. der Achillessehne, als auch bei hochgradigen Arthrosen die klinische Verbesserung entsprechend der VIS-A-Skala nicht überzeugte.

Fazit

ACP stellt ein alternatives Therapieverfahren zur Behandlung von Sehnenansatzbeschwerden, Arthrose etc. dar. Insbesondere hinsichtlich der optimalen Zusammensetzung als auch des idealen Anwendungsprotokolls und der geeignetsten Indikationen gibt es noch viele offene Fragen zu klären, wofür weitere klinische Studien zur Verbesserung der Evidenzlage notwendig sind.

Referenzen

1 Ponticiello MS et al: Gelatin-based resorbable sponge as a carrier matrix for human mesenchymal stem cells in cartilage regeneration therapy. J Biomed Mater Res 2000; 52(2): 246-55
2 Mazzocca AD: Platelet-rich plasma differs according to preparation method and human variability, J Bone Joint Surg Am 2012; 94(4): 308-16
3 Schneider BS et al: Neutrophil infiltration in exercise- injured skeletal muscle: how do we resolve the contro- versy? Sports Med 2007; 37(10): 837-56
4 Sánchez M et al: Comparison of surgically repaired Achilles tendon tears using platelet-rich fibrin matrices. Am J Sports Med 2007; 35(2): 245-51
5 Gaweda K et al: Treatment of Achilles tendinopathy with platelet-rich plasma. Int J Sports Med 2010; 31(8): 577-83
6 De Jong S et al: One-year follow-up of platelet-rich plasma treatment in chronic Achilles tendinopathy: a double-blind randomized placebo-controlled trial. Am J Sports Med 2011; 39(8): 1623-9
7 Cerza et al: Comparison between hyaluronic acid and platelet-rich plasma, intraarticular-infiltration in the treatment of gonarthrosis. Am J Sports Med 2012; 40(12): 2822-7

Autor

Dr. Jürgen Barthofer
Arzt für Sportmedizin und Sporttraumatologie
Facharzt für Unfallchirurgie
Teamarzt des ÖSV
Belegarzt im Diakonissen-Krankenhaus Linz
Facharzt im Unfallkrankenhaus Linz
E-Mail: ordination@barthofer.at

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